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Das Pul­ver­fass vor 2020

1975 fei­er­te die Schau­spie­le­rin Hel­ga Fed­der­sen aus­ge­las­sen im Pul­ver­fass inmit­ten der Künstlerinnen.

Das ers­te „Pul­ver­fass“ in Ham­burg war in St. Georg

Alles fing in der Stra­ße Pul­ver­teich im Stadt­teil St. Georg an. Schon der Vater von Heinz-Die­go Leers, der das Pul­ver­fass, wie wir es heu­te ken­nen, 47 Jah­re lang führ­te,  betrieb dort unter dem­sel­ben Namen ein Strip­tease Lokal. Der Juni­or über­nahm den Laden des Vaters, woll­te eigent­lich eine Dis­co­thek dar­aus machen. Zur Neu-Eröff­nung lud er dann aller­dings Tra­ves­tie-Künst­ler ein. Weil die sehr gut anka­men, setz­te er ganz auf Tra­ves­tie. Zunächst mit mäßi­gem Erfolg. „Damals saßen wir oft allein im Laden. Die Leu­te trau­ten sich nicht her­ein“, erin­nert er sich.

Damals war Tra­ves­tie noch rela­tiv unbe­kannt und galt als anrü­chig. Ein Pul­ver­fass – im gesell­schaft­li­chen Sin­ne – war das The­ma zu den Grün­dungs­zei­ten alle­mal. Die Leu­te trau­ten sich nicht in das Fass, nur wenn kei­ner guck­te, schlich man durch den Ein­gang. Drin­nen bestaun­ten die Gäs­te dann all­zu per­fek­te Super­frau­en mit lan­gen Bei­nen, üppi­gen Dekol­le­tés und mäch­ti­gen Wim­pern und beka­men einen klei­nen Schock, als die letz­ten Hül­len fie­len. “Mann oder Frau — wer weiß es genau?”, die­ser Aus­spruch ist untrenn­bar mit dem Pul­ver­fass ver­bun­den, auch wenn die Ant­wort auf die Fra­ge eigent­lich immer gleich ausfiel.

Das „Pul­ver­fass“ auf der Reeperbahn

2001 zog das Pul­ver­fass von St. Georg ins ehe­ma­li­ge „Oase“-Kino in der Ree­per­bahn. Die Ree­per­bahn ist tra­di­tio­nell die Büh­ne für Exo­ten und Para­dies­vö­gel und so waren hier von Beginn an die Berüh­rungs­ängs­te klei­ner, der Erfolg um so grö­ßer. Die Show im aller­bes­ten Broad­way­for­mat, bot Unter­hal­tung vom Feins­ten. Frech-fri­vol, immer char­mant und unter­halt­sam im Sekun­den­takt. Pro Abend stan­den um die zehn Künst­ler auf der Büh­ne, es gab Revu­en, Gesang, Come­dy, Strip­tease – und gutes Essen.

Auch Pro­mis moch­ten das ganz beson­de­re Flair. Mary Roos, Vicky Lean­dros, Catha­ri­na Valen­te, Udo Lin­den­berg, Vero­na Pooth – sie alle amü­sier­ten sich schon im Pul­ver­fass und das auch bereits vor dem Umzug auf die sün­di­ge Mei­le. Band­lea­der James Last schmiss mal eine Lokal­run­de für alle Gäs­te, Mary Roos ver­guck­te sich in das Abend­kleid einer Tra­ves­tie-Künst­le­rin und trat damit in einer Fern­seh­show auf. Schla­ger­sän­ge­rin Andrea Berg fei­er­te hier nach ihrem Ham­burg-Kon­zert. Bekann­te Tra­ves­tie­künst­ler wie Oli­via Jones und Mary & Gor­dy wag­ten hier die ers­ten Schrit­te auf die Show­büh­ne. Zu 90 Pro­zent bestand das Publi­kum übri­gens aus Frau­en. Eini­ge hol­ten sich hin­ter­her bei den geschmink­ten Män­nern Make-Up-Tipps.

Schon seit 2019 such­te Heinz-Die­go Leers aus gesund­heit­li­chen Grün­den eine Nach­fol­ge für sein erfolg­rei­ches Cabaret. Dass er 2020 dann gleich zwei­mal Coro­na bedingt schlie­ßen muss­te, konn­te er da noch nicht ahnen. Dadurch wur­de das Pro­blem, eine Nach­fol­ge zu fin­den, noch grö­ßer. Denn das Pul­ver­fass mit sei­ner Tra­ves­tie soll­te blei­ben und nicht zu einem Jazz Club oder einem Bor­dell werden.